Historie
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21.01.2009 16:25:00
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Teil 3: WM 1974 und die Zeit danach…
Das Programmheft des Spiels in Erfurt (Quelle: Hannover 96)
Als bei der WM 1974 der DDR-Nationalspieler Jürgen Sparwasser in der 78. Minute Berti Vogts und Horst-Dieter Höttges stehen ließ und Torwart Sepp Maier überwand, war das eine tolle sportliche Leistung. Aber es war auch Politik. Denn der 1:0-Sieg der DDR-Auswahl über das bundesdeutsche Team bei der Fußball-WM wurde von den SED-Oberen als Triumph über den Klassenfeind gefeiert.
Auch dem Selbstbewusstsein vieler DDR-Bürger tat dieser Erfolg gut, da diese sich häufig als "Deutsche zweiter Klasse" fühlten. Im Westen blieb trotz des WM-Titels der Makel, ausgerechnet gegen den ungeliebten Bruder im Osten verloren zu haben.
Gastspiele bis ins Detail geplant
Die Stasi fürchtete nach wie vor Spiele gegen Mannschaften aus der Bundesrepublik und bereitete diese akribisch vor, um einen näheren deutsch-deutschen Kontakt zwischen Spielern oder Fans zu vermeiden. Die Fußballfans in der DDR aber zeigten sich von all den politischen Schwierigkeiten unbeeindruckt und strömten in Massen in die Stadien, wenn Fußballer aus dem Westen zu den wenigen deutsch-deutschen Fußballspielen antraten.
Immer wieder setzten sich in dieser Zeit DDR-Spieler von ihren Mannschaften ab. Norbert Nachtweih, Lutz Eigendorf, der später unter mysteriösen Umständen starb, oder Falko Götz - alle galten anschließend als Verräter, abgeworben von "kriminellen BRD-Menschenhändlern". Dennoch entwickelte sich ein spezieller Fan-Tourismus: DDR-Fans fuhren zu den Spielen der westdeutschen Stars im gesamten Ostblock. Auch Hannover 96 erhielt bei Gastspielen in Polen und der CSSR Besuch von ostdeutschen Fußballbegeisterten.
Personalprobleme gegen Erfurt
Erst 20 Jahre nach dem letzten Auftritt, am 15.09.1987 spielte 96 erneut in der DDR. Im deutsch-deutschen Sportkalender war das Spiel zwischen dem DDR-Oberligisten RW Erfurt und Hannover 96 eine von knapp 100 genehmigten gemeinsamen Sportveranstaltungen. Für 96 stand das Spiel unter einem schlechten Stern. Zahlreiche Profis waren verletzt und Trainer Wähling konnte nur auf zehn gesunde Feldspieler zurückgreifen. Die Amateure Kunze, Reinke, Köpper und Jantzik sowie der A-Jugendliche Martin Groth füllten den Kader kurzfristig auf.
Der Verzicht auf die DDR-Reise von 96-Spieler Rachid Berlabi hatte sogar politische Hintergründe. Der in Leipzig geborene 96-Stürmer hatte das Land als Kind mit seiner Familie verlassen und war nicht ausgebürgert worden. Die Reise barg daher ein zu großes persönliches Risiko für ihn. 96-Verteidiger Matthias Kuhlmey erhielt für diese Partie von der Bundeswehr keinen Urlaub. So war es nicht verwunderlich, dass die 96-Notelf vor 28.000 Zuschauern im ausverkauften Georgi-Dimitroff-Stadion mit 0:3 (0:1) verlor. "Für mich als A-Jugendspieler war dieses Spiel etwas ganz Besonderes. Zum ersten Mal bei den Profis dabei und dann gleich in so einem Hexenkessel. Das war Gänsehaut pur", erinnert sich 96-Eigengewächs Martin Groth noch an dieses Spiel, das durch zwei Tore in den letzten zehn Minuten entschieden wurde.
Souvenirs für Fans
Unter den Erfurter Jugendlichen hatte sich herumgesprochen, dass der moderne Mannschaftsbus, den 96 extra für diese Reise von Mercedes-Benz aus Stuttgart erhalten hatte, nicht nur auffällig sondern auch voller Souvenirs geladen war. Und so warteten hunderte Fußballfans auf die "Roten".
"Ich erinnere mich noch sehr genau. Wir standen selbst im Hotel unter Beobachtung durch die staatlichen Organe der DDR. Man war nirgends wirklich allein. Das Verteilen der vielen Souvenirs an die Fußball-Fans war damals anstrengender als jede körperliche Arbeit. Es war aber für jeden von uns eine große Freude, die Menschen dort glücklich zu machen. Die DDR-Fans, die aus dem ganzen Land angereist waren, lobten uns, weil wir im Vergleich zu anderen Vereinen aus der Bundesliga sehr großzügig waren", berichtet der damalige Vizepräsident Werner Bock, der 1.000 Poster, unzählige 96-Nadeln und tausende Autogrammkarten verteilte. "Nach dem Spiel fand ein kurzes Bankett statt, aber keine Seite hatte richtig Lust darauf", beschreibt er heute seine Erinnerungen.
Großes Interesse in der DDR
Das nächste Duell gegen einen DDR-Vertreter gab es erneut im Intertotocup, der zu dem Zeitpunkt offiziell IFC Cup hieß. Hannover 96 traf hier auf den FC Karl-Marx-Stadt. Das Hinspiel am 29. Juni 1988 fand vor nur 2.000 Zuschauern in Fallersleben statt. 96 verlor knapp mit 0:1. Am 16. Juli 1988 gab es im ausverkauftem "Sportforum Ernst Thälmann" vor 20.000 Zuschauern das Rückspiel und gleichzeitig auch das letzte Duell mit einem Verein aus der DDR. Die Fans im Stadion feuerten das Team von Trainer Jürgen Wähling schon vor dem Anpfiff mit "Hannover, Hannover"-Sprechchören an.
Zwischenzeitlich wurde der Ton der Zuschauer sogar politisch: "Deutschland, Deutschland" lauteten die Anfeuerungsrufe von den vollbesetzten Tribünen. Trotz der erneuten 0:1-Niederlage - Torschütze war Keller in der 64. Minute - war der Trainer mit der kämpferischen Einstellung zufrieden. "Wir sind für die Bundesliga gewappnet", lautete sein Fazit.
Letztes Spiel gegen DDR-Team
Gut vorbereitet zeigte sich Hannover 96 in Karl-Marx-Stadt erneut auch außerhalb des Platzes. Das Team war voll bepackt mit Souvenirs für die zahllosen vor dem Hotel wartenden Fans angereist. Die Spieler, Trainer und Offiziellen verbrachten rund um das Gastspiel in Sachsen viel Zeit mit den Fans und verteilten zahlreiche Souvenirs und Autogramme. "Es gab einen kurzen Kontakt zum Gästetrainer Hans Meyer, der ja in Gladbach seine Laufbahn gerade beendet hat", erinnert sich der damalige Vizepräsident Werner Bock an diese Partie.
Weniger gastfreundlich zeigten sich die Gastgeber - es gab nicht einmal ein Treffen der Vorstände und auch kein gemeinsames Essen. Das letzte Spiel gegen ein Team aus der DDR bestritten: Raps; Hellberg, Prange (Grillemeier), Geils, Surmann, Dierssen (Groth), Palasz, Dammeier, Drews, Kohn und Reich. Im Juli 1989 reisten viele DDR Fans zum Intertotocup Spiel von Hannover 96 bei Banik Ostrau, bevor dann im November 1989 die Mauer endgültig fiel.
Hier finden Sie weitere Artikel zum Thema:
Teil1: Die Anfänge nach der Teilung
Teil2: Nach dem Mauerbau
Die Geschichte von Hannover 96
Die Geschichte des DDR-Fußballs: Zwischen Ideologie und Propaganda
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Immer wieder setzten sich in dieser Zeit DDR-Spieler von ihren Mannschaften ab. Norbert Nachtweih, Lutz Eigendorf, der später unter mysteriösen Umständen starb, oder Falko Götz - alle galten anschließend als Verräter, abgeworben von "kriminellen BRD-Menschenhändlern". Dennoch entwickelte sich ein spezieller Fan-Tourismus: DDR-Fans fuhren zu den Spielen der westdeutschen Stars im gesamten Ostblock. Auch Hannover 96 erhielt bei Gastspielen in Polen und der CSSR Besuch von ostdeutschen Fußballbegeisterten.
Personalprobleme gegen Erfurt
Erst 20 Jahre nach dem letzten Auftritt, am 15.09.1987 spielte 96 erneut in der DDR. Im deutsch-deutschen Sportkalender war das Spiel zwischen dem DDR-Oberligisten RW Erfurt und Hannover 96 eine von knapp 100 genehmigten gemeinsamen Sportveranstaltungen. Für 96 stand das Spiel unter einem schlechten Stern. Zahlreiche Profis waren verletzt und Trainer Wähling konnte nur auf zehn gesunde Feldspieler zurückgreifen. Die Amateure Kunze, Reinke, Köpper und Jantzik sowie der A-Jugendliche Martin Groth füllten den Kader kurzfristig auf.
Der Verzicht auf die DDR-Reise von 96-Spieler Rachid Berlabi hatte sogar politische Hintergründe. Der in Leipzig geborene 96-Stürmer hatte das Land als Kind mit seiner Familie verlassen und war nicht ausgebürgert worden. Die Reise barg daher ein zu großes persönliches Risiko für ihn. 96-Verteidiger Matthias Kuhlmey erhielt für diese Partie von der Bundeswehr keinen Urlaub. So war es nicht verwunderlich, dass die 96-Notelf vor 28.000 Zuschauern im ausverkauften Georgi-Dimitroff-Stadion mit 0:3 (0:1) verlor. "Für mich als A-Jugendspieler war dieses Spiel etwas ganz Besonderes. Zum ersten Mal bei den Profis dabei und dann gleich in so einem Hexenkessel. Das war Gänsehaut pur", erinnert sich 96-Eigengewächs Martin Groth noch an dieses Spiel, das durch zwei Tore in den letzten zehn Minuten entschieden wurde.
Souvenirs für Fans
Unter den Erfurter Jugendlichen hatte sich herumgesprochen, dass der moderne Mannschaftsbus, den 96 extra für diese Reise von Mercedes-Benz aus Stuttgart erhalten hatte, nicht nur auffällig sondern auch voller Souvenirs geladen war. Und so warteten hunderte Fußballfans auf die "Roten".
"Ich erinnere mich noch sehr genau. Wir standen selbst im Hotel unter Beobachtung durch die staatlichen Organe der DDR. Man war nirgends wirklich allein. Das Verteilen der vielen Souvenirs an die Fußball-Fans war damals anstrengender als jede körperliche Arbeit. Es war aber für jeden von uns eine große Freude, die Menschen dort glücklich zu machen. Die DDR-Fans, die aus dem ganzen Land angereist waren, lobten uns, weil wir im Vergleich zu anderen Vereinen aus der Bundesliga sehr großzügig waren", berichtet der damalige Vizepräsident Werner Bock, der 1.000 Poster, unzählige 96-Nadeln und tausende Autogrammkarten verteilte. "Nach dem Spiel fand ein kurzes Bankett statt, aber keine Seite hatte richtig Lust darauf", beschreibt er heute seine Erinnerungen.
Großes Interesse in der DDR
Das nächste Duell gegen einen DDR-Vertreter gab es erneut im Intertotocup, der zu dem Zeitpunkt offiziell IFC Cup hieß. Hannover 96 traf hier auf den FC Karl-Marx-Stadt. Das Hinspiel am 29. Juni 1988 fand vor nur 2.000 Zuschauern in Fallersleben statt. 96 verlor knapp mit 0:1. Am 16. Juli 1988 gab es im ausverkauftem "Sportforum Ernst Thälmann" vor 20.000 Zuschauern das Rückspiel und gleichzeitig auch das letzte Duell mit einem Verein aus der DDR. Die Fans im Stadion feuerten das Team von Trainer Jürgen Wähling schon vor dem Anpfiff mit "Hannover, Hannover"-Sprechchören an.
Zwischenzeitlich wurde der Ton der Zuschauer sogar politisch: "Deutschland, Deutschland" lauteten die Anfeuerungsrufe von den vollbesetzten Tribünen. Trotz der erneuten 0:1-Niederlage - Torschütze war Keller in der 64. Minute - war der Trainer mit der kämpferischen Einstellung zufrieden. "Wir sind für die Bundesliga gewappnet", lautete sein Fazit.
Letztes Spiel gegen DDR-Team
Gut vorbereitet zeigte sich Hannover 96 in Karl-Marx-Stadt erneut auch außerhalb des Platzes. Das Team war voll bepackt mit Souvenirs für die zahllosen vor dem Hotel wartenden Fans angereist. Die Spieler, Trainer und Offiziellen verbrachten rund um das Gastspiel in Sachsen viel Zeit mit den Fans und verteilten zahlreiche Souvenirs und Autogramme. "Es gab einen kurzen Kontakt zum Gästetrainer Hans Meyer, der ja in Gladbach seine Laufbahn gerade beendet hat", erinnert sich der damalige Vizepräsident Werner Bock an diese Partie.
Weniger gastfreundlich zeigten sich die Gastgeber - es gab nicht einmal ein Treffen der Vorstände und auch kein gemeinsames Essen. Das letzte Spiel gegen ein Team aus der DDR bestritten: Raps; Hellberg, Prange (Grillemeier), Geils, Surmann, Dierssen (Groth), Palasz, Dammeier, Drews, Kohn und Reich. Im Juli 1989 reisten viele DDR Fans zum Intertotocup Spiel von Hannover 96 bei Banik Ostrau, bevor dann im November 1989 die Mauer endgültig fiel.
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