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10.04.2009 15:54:05
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"Totenstill im Stadion"

Am 32. Spieltag schien die Eintracht gerettet: Bernd Gersdorff (r.) trifft zwei Mal beim 3:2-Heimsieg gegen Hannover 96
Am 26. Mai 1973 hätte die Stimmung unter den Fans von Eintracht Braunschweig kaum besser sein können. Gerade hatte die Eintracht den Erzrivalen und Abstiegskonkurrenten Hannover 96 vor mehr als 30.000 Zuschauern im heimischen Stadion an der Hamburger Straße mit 3:2 besiegt.


Gefeierter Mann war Mittelfeldspieler Bernd Gersdorff, der zwei Tore schoss und seiner Mannschaft damit nach dem 32. Spieltag einen Drei-Punkte-Vorsprung auf Hannover auf Platz 17 verschaffte. 1973 gab es noch die Zwei-Punkte-Regel und nur zwei Absteiger - die Abstiegsgefahr schien zwei Spieltage vor Saisonende für Braunschweig gebannt.

"Wir Spieler haben nicht nach dem Hannover-Spiel gefeiert. Wir konnten ja rechnen und wussten, dass es theoretisch noch schief gehen könnte. Also war eine gewisse Unsicherheit noch da", erinnert sich Gersdorff an das 73er Saisonfinale.

Hannover, Braunschweig oder Schalke

Der heute 62-Jährige, der als Konzernsprecher der Salzgitter AG arbeitet, gehörte neben Torhüter Bernd Franke, Abwehrspieler Franz Merkhoffer oder Stürmer Ludwig Bründl zu den Stützen der Eintracht. In Joachim Bäse und Peter Kaack standen noch zwei routinierte Defensivspezialisten aus der Braunschweiger Meistermannschaft von 1967 im Kader.

Vor dem entscheidenden 34. Spieltag hatte sich die Situation am Tabellenende wieder zugespitzt. Weil Hannover am vorletzten Spieltag 2:0 gegen Hertha BSC gewann und die Eintracht 0:3 beim 1. FC Kaiserslautern unterlag. Auch der FC Schalke war noch gefährdet. Rot-Weiß Oberhausen stand schon als Absteiger fest.

"Wie gelähmt"

Und so ging Hannover als Vorletzter mit 24 Punkten ins letzte Spiel, Braunschweig mit 25 und die Schalker mit 26. Der S04 gewann sein Heimspiel 2:0 gegen den Hamburger SV und war gerettet. Braunschweig oder Hannover hieß jetzt die Abstiegsfrage, und 96 legte beim Tabellendritten Wuppertaler SV einen Blitzstart hin: 1:0 durch Stiller nach zwei Minuten. Siemensmeyer traf zum 2:0-Pausenstand.

"Es gab zwar noch keine Anzeigetafel, aber wir Spieler haben das Ergebnis von Hannover von der Bank erfahren. Wir wussten also immer, wie es da steht. Wir hätten ja nur unser Heimspiel gegen Düsseldorf gewinnen müssen, um drin zu bleiben. Aber wir waren wie gelähmt und katastrophal schwach. Jeder wusste, dass es schief geht", sagt Gersdorff.

Nägel mit Köpfen

Mit einem 1:1 ging es in Braunschweig in die Pause, ein Sieg musste aber her, weil das Torverhältnis für Hannover sprach. Doch die Eintracht kam nicht mehr ins Spiel, Düsseldorf schoss durch Klaus Budde sogar noch den 2:1-Siegtreffer. Hannover siegte schließlich 4:0. "Es war während der zweiten Halbzeit totenstill im Stadion. Wir konnten uns nicht mehr aufbäumen, wir haben es ganz allein vergeigt", denkt Gersdorff zurück.

Schon wenige Stunden nach Abpfiff und Abstieg begann in Braunschweig die Zukunftsplanung. "Wir sind nach dem Spiel ins Hotel Forsthaus direkt gegenüber von unserem Stadion gegangen. Dort haben wir alle an einer großen Tafel gesessen und unser Präsident Ernst Fricke hat gleich Nägel mit Köpfen gemacht.

Gersdorff zu den Bayern

Er hat alle Spieler einzeln gefragt, ob sie bleiben oder gehen. Alle haben zugesagt, dass sie bleiben. Nur ich nicht. Ich habe gesagt, dass ich darüber nachdenken muss. Denn ich hatte eine gute Saison gespielt und am nächsten Tag kamen auch gleich die Anrufe und Angebote von anderen Vereinen", erzählt Gersdorff.

Der FC Bayern bekam die Zusage Gersdorffs, während die Eintracht den "Betriebsunfall" gleich im nächsten Jahr korrigierte und aus der Regionalliga Nord wieder aufstieg. Entscheidenden Anteil daran hatte: Bernd Gersdorff!

Der torgefährliche Mittelfeldmann wurde beim FC Bayern zwar gleich Stammspieler. Aber seine Lieblingsposition war blockiert und nach einer langen Sperre zum Ende der Hinrunde kehrte Gersdorff im November 1973 zur Eintracht zurück. Mit 35 Toren schoss Gersdorff die Eintracht an die Regionalligaspitze und in der Aufstiegsrunde mit sieben von 13 Toren zurück in die Bundesliga.

Stefan Kusche

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