Historie
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14.03.2009 00:00:35
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"Doktor Hammer" und seine Medizin

Bernd Nickel war in der Bundesliga für seinen Schuss gefürchtet
Es wäre eine geeignete Frage für Günter Jauchs Quiz-Show "Wer wird Millionär?": Welcher Mittelfeldspieler hat in der Bundesliga-Geschichte die meisten Tore erzielt?


Die Antwort wird wohl nur den eingefleischten Fußball-Kennern sofort in den Sinn kommen: Bernd Nickel. Mit 141 Treffern hat er so viele Tore geschossen wie kein anderer Mittelfeldspieler bisher.

Legendäres "Dreigestirn"

Die Diegos, van der Vaarts oder Ribérys der heutigen Bundesliga-Zeit sind noch weit entfernt von Nickels Meilenstein. Doch damals wie heute stand der nur selten im Rampenlicht.

Dabei war er Teil des legendären "Dreigestirns" bei Eintracht Frankfurt. Er stand jedoch im Schatten der Weltmeister Bernd Hölzenbein und Jürgen Grabowski.

Nur von Hölzenbein übertroffen

Von 1967 bis 1983 trug er das Trikot der Eintracht und absolvierte 426 Bundesliga-Spiele - nur Karl-Heinz Körbel (602) und Grabowski (441) waren für die Hessen im Oberhaus öfter am Ball.

In der ewigen Torschützenliste der Frankfurter wird er nur von Hölzenbein übertroffen, der 160 Mal ins gegnerische Tor traf.

UEFA-Pokal 1980

Zu Meisterehren hat es für Nickel aber nie gereicht. Unvergessen bleiben für ihn aber der Sieg im UEFA-Pokal 1980 sowie der Gewinn des DFB-Pokals 1974, 1975 und 1981.

Sein Bundesliga-Debüt feierte der offensive Linksfuß am 9. März 1968 beim FC Bayern München an der Seite von Bernd Hölzenbein und Oskar Lotz im Eintracht-Angriff. Sieben Tage später, am 16. März, trug er sich beim 4:1 Heimsieg gegen Borussia Dortmund in der Bundesliga erstmals in die Torschützenliste ein.

Rekord bei den Amateuren

Kaum einer konnte so präzise und so wuchtig mit links schießen wie Nickel. Schnell bekam er den Spitznamen "Doktor Hammer" und sorgte in der Bundesliga für Furore. Für die Nationalmannschaft hat es aber in all den Jahren nur zu einem Einsatz gereicht.

Am 22. Dezember 1974 wurde er beim EM-Qualifikationsspiel der DFB-Elf auf Malta zur zweiten Halbzeit eingewechselt. Das Spiel endete 1:0 für die deutsche Mannschaft.

Dass keine weiteren Einsätze folgten, war umso erstaunlicher, da Nickel in den Jahren zuvor 41 Länderspiele in der deutschen Amateur-Nationalmannschaft bestritt und mit 18 Toren als ewiger Rekordschütze geführt wird. Die Teilnahme mit diesem Team am olympischen Fußball-Turnier 1972 in München gehört zu den Höhepunkten in Nickels Laufbahn.

Sinn für Humor nicht verloren

Doch es ging für Nickel in der Bundesliga nicht immer nur bergauf. "Und Nickel kaputt", titelte die Bild-Zeitung nach dem 0:4-Debakel der Eintracht beim Bundesliga-Auftakt der Saison 1978/79 auf Schalke. Nickel musste in der 13. Minute mit einem Riss der rechten Achillessehne ausgewechselt werden. "Doktor Hammer" verließ der Humor ob der schwerwiegenden Verletzung jedoch nicht: "Es ist zum Glück das Standbein."

Vier Monate nach dieser Verletzung testete Nickel in einem Spiel der Eintracht gegen eine Oberhessen-Auswahl in Steinfurth. Und erneut riss die rechte Achillessehne. Während viele an ein Karriereende von Nickel glaubten, gab dieser den Kampf nicht auf. Und das mit Erfolg. Am 33. Spieltag der Saison 1978/79 kehrte er beim Heimspiel gegen Dortmund zurück und brachte die Eintracht beim 4:1-Erfolg sogar in Führung.

Abstecher in die Schweiz

Nach 16 Jahren in der Bundesliga verabschiedete sich Nickel im Anschluss an die Saison 1982/83 von seiner Eintracht. Anschließend spielte Nickel noch eine Spielzeit beim Schweizer Erstligisten Young Boys Bern und beendete im Sommer 1984 seine aktive Karriere.

Heute führt Nickel ein Sportartikelgeschäft in Herborn im Lahn-Dill-Kreis.

Michael Reis

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