Historie
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05.03.2009 14:14:05
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"Für den Aufstieg fresse ich auch Gras"

Der ehemalige Nationaltorhüter Wolfgang Fahrian und Verteidiger Gerd Zimmermann (li.) zählten zu den großen Stützen der Fortuna in der Bundesliga.
Im Schatten des 1. FC Köln hatte es die Nummer zwei der Stadt, der SC Fortuna Köln, nicht immer leicht. Nur eine einzige Saison spielten der FC und die Fortuna gemeinsam in der Bundesliga, ehe die Fortuna nach dem Abstieg 26 Spielzeiten in Folge Stammgast der 2. Bundesliga wurde.


Im Sommer 1973 schrieb Fortuna Köln seine Bundesliga-Geschichte, als die Südstädter erstmals in die höchste deutsche Liga aufstiegen.

Die 2. Bundesliga gab es damals noch nicht, das Fußball-Unterhaus bestand aus fünf Regionalligen. Als Tabellenzweiter der Regionalliga-West erreichte Fortuna Köln die Aufstiegsrunde - zusammen mit dem Karlsruher SC, FSV Mainz 05, FC St. Pauli und Blau-Weiß 90 Berlin.

Ablöse für den Schulrektor

Der Präsident hieß damals Hans Löring, der den Trainer Martin Luppen zum 1. November 1972 zur Fortuna geholt hatte. Luppen kam vom Deutschen Amateurmeister SC Jülich 10, und Löring musste für den hauptberuflichen Schulrektor Luppen sogar eine Ablöse zahlen.

Klangvolle Namen gehörten damals zum Kader der Fortuna: Ex-Nationalspieler Wolfgang Fahrian war der große Rückhalt im Tor, die Abwehrspieler Hans-Günter Neues und Gerd Zimmermann machten in den späteren siebziger Jahren Karriere beim 1. FC Kaiserslautern bzw. Fortuna Düsseldorf.

Die Namen Noel Campbell - ein kampfstarker, rothaariger Ire -, Karl-Heinz Struth oder Günter Oleknavicius sind noch heute den älteren Fortuna-Fans unvergessen.

Luppen und die Nudeldiät

Akribisch hatte Luppen seine Spieler auf die Gegner der Aufstiegsrunde vorbereitet. "Über meinen Gegner weiß ich jetzt mehr, als über mich selbst", stöhnte ein Fortune über die für 1973 ungewöhnlich präzisen Gegner-Informationen Luppens.

Für Aufsehen hatte auch Luppens Nudeldiät gesorgt. Angeregt durch die Erkenntnisse des Kölner Sportmediziners Professor Wildor Hollmann, setzte Luppen Körner und Nudeln statt des damals üblichen Steaks auf den Speiseplan. "Für den Aufstieg fresse ich auch Gras", soll Fahrian gesagt haben.

Aufstieg geschafft

Der Erfolg gab Luppen Recht. Die Fortuna startete am 23. Mai 1973 mit einem 2:1-Sieg in Karlsruhe, erster Torschütze war Rolf Kucharski. Anschließend eilte die Fortuna von Sieg zu Sieg, mit 12:0-Punkten fuhr die Mannschaft zum vorentscheidenden Spiel nach Mainz.

Ein Punkt hätte schon zum Aufstieg gereicht, den einen holte Fortuna auch. 0:0 hieß es nach 90 hart umkämpften Minuten, die Fortuna war am 20. Juni 1973 im Ziel.

Fast 10.000 Zuschauern in der Radrennbahn in Köln-Müngersdorf, wo der Klub bis 1978 seine Heimspiel austrug, war die 2:3-Niederlage zum Abschluss am letzten Spieltag gegen St. Pauli vollkommen egal.

Party mit Kamelle

Im offenen Doppeldecker feierte die Mannschaft in Karnevals-Manier auf den Straßen Kölns. Zehn Zentner Kamelle und 20.000 Nelken regneten auf die feierenden Fans am Straßenrand.

Zusammen mit dem 1. FC Köln ging die Fortuna in die Bundesliga-Saison 1973/74, die bis heute die einzige bleiben sollte. Punktgleich mit dem Wuppertaler SV stieg die Fortuna aufgrund des schlechteren Torverhältnisses als Tabellensiebzehnter ab, die Derbys gegen den FC gingen 0:2 und 0:5 verloren.

Stefan Kusche

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