Bundesliga

26.06.2016 - 12:00 Uhr


Bayern-Zugang Sanches ragt gegen Kroatien heraus

Der Ex-Münchener Mario Mandzukic attackiert den Neu-Münchener Renato Sanches

Lens - Nun saß er also auf diesem Podium, ausgezeichnet als "Man oft the Match“ - Spieler des Spiels. Renato Sanches wirkte auch im Pressezelt des Stade Bollaert-Delelis in Lens so wuchtig wie zuvor auf dem Platz. Dieser Kerl füllt einen Raum aus mit seinem athletischen Körper, seinem ansteckenden Lachen und seinen kräftigen Rastalocken.

Portugal hatte gerade Kroatien aus dem EM-Turnier geworfen. Durch das 1:0 von Ricardo Quaresma in der 117. Minute, also kurz vor dem Ende der Verlängerung, zogen die Portugiesen ins Viertelfinale ein und treffen nun auf Polen. Renato Sanches hatte einen großen Anteil an diesem Erfolg, es war eine außergewöhnliche Leistung dieses erst 18 Jahre alten Mittelfeldspielers, der nach der Saison von Benfica Lissabon zum Rekordmeister FC Bayern München in die Bundesliga wechseln wird.

Sanches wurde erst in der 50. Minute eingewechselt für Andre Gomes. Es war eine der vielen richtigen Entscheidungen an diesem Abend von Portugals Trainer Fernando Santos. Auch den Torschützen Quaresma hatte er ja eingewechselt. Und Sanches und Quaresma waren an der Entscheidung in diesem Achtelfinale maßgeblich beteiligt. Sanches passte zu Nani, der spielte weiter zu Christiano Ronaldo. Den Schuss des Superstars von Real Madrid wehrte Kroatiens Torwart Danijel Subasic noch ab - doch Quaresma drückte den Ball schließlich per Kopf zum Sieg über die Torlinie.

Auf dem Weg zur Stammkraft

Nun glauben die Portugiesen endlich etwas Großes bei einem großen Turnier erreichen zu können - auch dank Renato Sanches, der hinterher das Trikot mit Kroatiens Star Luka Modric tauschte. Mit der Einwechslung des dynamischen Technikers gewannen die bis dahin nur reagierenden Portugiesen mehr Offensivkraft. Es ist angesichts der beeindruckenden Leistung seines Schützlings ein Rätsel, warum Trainer Santos Sanches bei diesem Turnier bis zu diesem Samstagabend in Lens nur zwei Mal eingewechselt hat.

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Sanches betrachtet die Situation aber gelassen und abgeklärt. Auf dem Pressepodium nach dem Spiel wirkte er noch reifer, als er es mitunter auf dem Platz ist, er sagte: "Wenn ich spiele, dann spiele ich - wenn nicht, dann nicht. Ich respektiere die Entscheidung des Trainers.“ Diese Einstellung wird dem jungen Spieler helfen, in der kommenden Saison im Starensemble des FC Bayern von Trainer Carlo Ancelotti (Zum Artikel: Ein bodenständiger Weltmann auf der Bayern-Bank) Geduld aufzubringen, auf dem Weg zur Stammkraft mit viel Einsatzzeit.

Video: Das ist Renato Sanches

Ob von Beginn an oder von der Ersatzbank: Die Bundesliga kann sich auf ein großartiges Talent freuen, das in jedem Moment und in jeder Situation den Unterschied ausmachen kann. Das Durchsetzungsvermögen dieses Profis, sein Selbstvertrauen und sein Mut, in jeder Situation den Ball zu fordern, sind beeindruckend. Sein Einsatz belebt, vielleicht ist sein Spiel manchmal zu wild.

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Auch gegen Kroatien war er am Rande eines Platzverweises, nachdem er früh nach seiner Einwechslung die Gelbe Karte gesehen hatte. Die Teamkollegen sind dennoch voll des Lobes. Der erfahrene Innenverteidiger Jose Fonte, 32, vom FC Southampton sagt: "Es ist gut, dieses junge Blut im Team zu haben. Wenn man ihn nur auf den Platz rennen sieht - es ist fantastisch. Er ist kraftvoll und voller Energie.“

Vorfreude auf die Bayern

Sanches sagt: "Ich bin froh, bei den Bayern unterschrieben zu haben.“ Aber mehr wollte er Samstagnacht nicht zu seinem Engagement beim Deutschen Meister und in der Bundesliga sagen: "Im Moment zählt die Nationalmannschaft und die Europameisterschaft, darauf konzentriere ich mich. Die Bayern kommen nach der EM. Hier denken wir von Spiel zu Spiel und schauen dann, was dabei herauskommt.“

Auf Deutschland und viele seiner künftigen Kollegen in München kann dieser Renato Sanches aufgrund der Auslosung erst im Finale am 10. Juni in Paris treffen. Seit dem Sieg gegen die hochgehandelten Kroaten ist das Sanches und den Portugiesen aber durchaus zuzutrauen.

Von Tobias Schächter

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