EM 2016

13.06.2016 - 10:47 Uhr


Emre Mor: Alle schwärmen von Dortmunds "Wunderkind"

BVB-Neuzugang Emre Mor hat bei der EM mit der Türkei bereits sein großes Potenzial angedeutet

Paris - Als Emre Mor am Sonntagabend in der 69. Minute von Trainer Fatih Terim endlich auf den Platz geschickt wurde, weckte das die zunehmend desillusionierten türkischen Fans im Parc des Princes von Paris noch einmal. Wie ein Heilsbringer wird dieser erst 18 Jahre junge Neuzugang von Borussia Dortmund schon seit Tagen bei jedem seiner Auftritte für die türkische Nationalmannschaft empfangen. Am Sonntag aber konnte Mor die 0:1-Niederlage gegen Kroatien zum Start der EM-Kampagne nicht mehr verhindern.

"Emre, Emre"! Egal wo Emre Mor dieser Tage auftaucht, rufen die türkischen Fans seinen Namen. Alle wollen ein Foto mit diesem Kicker machen, der so plötzlich ein großer Hoffnungsträger der Milli Takim geworden ist. Mor weckt riesige Erwartungen, am Sonntag sagte er trocken: "Ich bin 18, ich habe keinen Druck." Der Junge hat ein natürliches Selbstvertrauen und auf dem Platz vor nichts Angst. Selbst normalerweise zurückhaltende Fachleute schwärmen von einem "neuen Messi", wenn sie über die Künste des in Kopenhagen geborenen Linksfußes sprechen.

Ständige Vergleiche mit Messi

Mors Trainer Kasper Hjulmand beim FC Nordsjaelland, der einst acht Monate Mainz 05 trainierte, sagt: "Er hat so viel Geschwindigkeit in seinen Füßen und ist so unvorhersehbar. Wenn man erwartet, dass er jetzt einen Pass spielt, macht er stattdessen noch ein Dribbling und ändert die Richtung. Und wenn er das macht, ist er nicht mehr zu fassen - das ist einfach unmöglich." Otto Addo, Hjulmands Assistent, sagt: "Ich habe vom Talent noch nichts Besseres gesehen. Wie er dribbelt, erinnert wirklich an Messi." Und der Hochgelobte selbst sagt über sich: "Wenn ich in der richtigen Stimmung bin, dann habe ich das Gefühl, dass ich praktisch alles schaffen kann."

Nach der EM wird er zu Borussia Dortmund wechseln (Vertrag bis 2021), unter Trainer Thomas Tuchel erhofft sich der 1,68 kleine Linksfuß einen weiteren Leistungsschub. "Niemand sagt nein zu Dortmund", erklärte er nach seiner Unterschrift auf Englisch und sagte schwärmerisch: "The Manager loves me." Türkisch kann der Junge nicht.

Terim: "Wäre er gewöhnlich, wäre er nicht hier"

Seit seinem Profi-Debüt vergangenen November für Nordsjaelland gilt der Sohn eines Türken und einer Mazedonierin als Wunderkind. Eigentlich nominierte Trainer Fatih Terim den sagenhaften Dribbler für den Vorbereitungslehrgang nur, um ihn kennenzulernen. Dann zwang Mor bei seinen Auftritten in den Tests gegen Montenegro und Slowenien (jeweils 1:0) auch Terim zu Staunen. Nun sagt der 62 Jahre alte Trainer: "Emre ist ein außergewöhnlicher Spieler. Wäre er gewöhnlich, wäre er nicht hier."

Terims Emissäre, die in ganz Europa nach Talenten mit türkischen Wurzeln suchen (im aktuellen EM-Kader stehen acht davon), mussten für Mor sogar ins Gefängnis. Dort saß vier Monate lang Mors Vater Enver ein, er war ohne Versicherung Auto gefahren. Um die türkische Staatbürgerschaft für den damals minderjährigen Jungen beantragen zu können, brauchten die Türken die Unterschrift des Vaters.

Lernen von Nuri Sahin

Terim liebt es, Spieler zu Stars aufzubauen, das hat er auch vor über elf Jahren mit Nuri Sahin gemacht. Als türkische Fans beim letzten EM-Test im slowenischen Ljubljana hysterisch Fotos mir Mor machten, stand Sahin, 28, ein paar Meter daneben und grinste. Als der Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund mit 17 für die Türkei gegen Deutschland debütierte, schoss er ein Tor und die Fans in Istanbul riefen euphorisch "Nuri, Nuri".

Wenn Nuri Sahin Emre Mor sieht, erinnert er sich an seine eigenen Anfänge. Die Erwartungen an Talente steigen in der Türkei schnell ins Unermessliche. Nach der EM werden die beiden Teamkollegen in Dortmund sein, Sahin sagt: "Ich habe Emre unter meine Fittiche genommen. Auch ich bin diesen steinigen Weg gegangen, deswegen kann ich mich in ihn hineinversetzen. Ich versuche ihm beizustehen." Mor habe "ein Wahnsinnstalent", sagt auch Sahin: "Jetzt liegt es an uns, wie wir damit umgehen."

Viel Selbstvertrauen trotz schlechter Ausgangslage

Sahin, 28, ist der erfahrenste Spieler im Team, sein Wort zählt, auch wenn er nicht erste Wahl ist, nach über anderthalb Jahren Absenz wegen Verletzung. Zuletzt hat er den großes Selbstvertrauen ausstrahlenden Mor im Training zurechtgewiesen. Die türkischen EM-Hoffnungen haben am Sonntag in Paris gegen Kroatien aber einen großen Dämpfer bekommen. Gegen Spanien am Freitag könnte die Kampagne weiter an Mut verlieren. Zum Abschluss der Vorrunde spielen die Türken noch gegen Tschechien und Emre Mor sagt trotzig: "Man kann auch mit drei Punkten weiterkommen."

Tobias Schächter

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