EM 2016

22.06.2016 - 12:32 Uhr


Jeder für Jeden: Allrounder Joshua Kimmich on fire

Joshua Kimmich erntet nach de 1:0-Sieg gegen Nordirland viel Lob und darf auf weitere Einsätze bei der Europameisterschaft hoffen

85 Prozent angekommende Pässe, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe: Die Karriere des 21-jährigen Bundesliga-Profis (r.) geht weiter steil bergauf

Köln - "Die Furcht vorm Fallen, die lohnt sich nicht, denn jeder Versuch ist ein Schatz in sich", heißt es im EM-Song "Jeder für Jeden" von Herbert Grönemeyer und Felix Jaehn. So ist auch Joshua Kimmich sein EM-Debüt, und das in ungewohnter Rolle als Rechtsverteidiger, angegangen. Mit Erfolg: Der 21-Jährige erntet nach dem 1:0-Sieg gegen Nordirland großes Lob und macht Lust auf mehr.

Mario Götze oder Mario Gomez? Die Frage, die vor dem letzten Gruppenspiel gegen Nordirland in erster Linie für Gesprächsstoff sorgte. Eine Stunde vor Anpfiff stand allerdings eine weitere Joker-Personalie im Fokus: Joshua Kimmich ersetzte Benedikt Höwedes auf der Rechtsverteidiger-Position.

EM-Debüt mit Teamspirit und Rückendeckung

Schon beim Warmmachen betrat der FCB-Profi mit entschlossenem Blick das Feld und münzte seine Euphorie in 90 überzeugenden Minuten auf dem rechten Flügel um. Hinten machte das DFB-Team dicht, vorne Druck. Mit entschlossenem Drang eines stürmischen Kimmichs über die rechte Außenbahn dessen Flanken, wie bei der Vorlage für Müllers Kopfball an den Pfosten, das Spiel der deutschen Nationalmannschaft sichtlich belebte.

85 Prozent erfolgreiche Pässe, neun Flanken, sechs Torschussbeteiligungen, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 100 Ballkontakte und zwölf zurückgelegte Kilometer (Bestwert im deutschen Team) lautete die Statistik des EM-Debütanten. "Allein ist man im Fußball nie. Ich habe zehn Leute um mich herum", sagte Kimmich im Interview mit der ARD-Sportschau im Anschluss an das Spiel. Eine Aussage, die den Sinn des Slogans "Jeder für Jeden" wohl nicht besser hätte wiedergeben können.

"Genau die richtige Entscheidung, ihn zu bringen"

Auch Benedikt Höwedes, der für den neugeborenen Rechtsverteidiger aus der Startelf weichen musste, stellte sich in den Dienst der Mannschaft und äußerte sich via Twitter. "Es war genau die richtige Entscheidung vom Coach, ihn zu bringen. Wir waren gefährlicher im Spiel nach vorne. Wir müssen uns alle dem großen Ziel unterordnen und alle die Egos hintenanstellen", äußerte sich der Defensivmann, der in der Bundesliga für den FC Schalke 04 aufläuft.

Die Rechtsverteidiger-Position ist für Allrounder Kimmich nicht die erste Premiere auf einer für ihn ungewohnten Position. Pep Guardiola, durch den Kimmich entscheidend gefördert wurde, traute dem Jungstar in der vergangenen Bundesliga-Saison beispielsweise gegen Borussia Dortmund eine verantwortungsvolle Aufgabe zu. Im Spiel gegen den BVB lief der 21-Jährige als Innenverteidiger auf und bewies gegen die schwarz-gelbe Offensivabteilung um Torjäger Pierre-Emerick Aubamayang seine Kaltschnäuzigkeit. Dass das Spiel am Ende 0:0 und damit ohne Gegentor für den FC Bayern endete, war damit auch auf die Leistung des Nationalspielers zurückzuführen, auf dessen Autogrammkarte bereits das Double steht.

Auf den Spuren von Weltmeister Lahm

Der gelernte Sechser erinnert nach seinem starken Debüt auf der rechten Außenbahn an einen alten Bekannten: Den ehemaligen Nationalmannschafts-Kapitän und Weltmeister Philipp Lahm. Seit dem letzten Gruppenspiel steht zumindest fest, dass nicht nur die Rückennummer 21, die auch FCB-Teamkollege Lahm zu seiner Anfangszeit in der Nationalmannschaft getragen hat, eine Gemeinsamkeit ist.

Durch den 1:0-Sieg gegen Nordirland hat sich die Mannschaft als Gruppensieger für das Achtelfinale qualifiziert. "Wow - immer noch Gänsehaut! Ein super Gefühl! Ich kann es noch gar nicht fassen", schrieb Kimmich nach dem Spiel bei Facebook. Und auch Teamkollege Jerome Boateng twitterte ein Bild mit Kimmich und kommentierte es mit: "Good Job."

Auch die Nordiren, die sich ebenfalls für das Achtelfinale qualifiziert haben, sorgen bei der EM mit dem Fansong "Will Grigg's on fire" für positive Stimmung. Auch wenn der Einsatz von Joshua Kimmich gegen die Nordiren erst der Anfang gewesen sein dürfte, und im Laufe des Turniers noch spielerisch hochkarätigere Gegner warten, könnte der Fangesang mit "Kimmich on fire" schon bald auf den flexiblen Senkrechtstarter umgedichtet werden.

Von Patrick Eckholt

Weitere Artikel
Bundesliga-Stars
Transferbörse
Trainingslager
Termine im Sommer

© 2016 DFL Deutsche Fußball Liga GmbH