
Manfred Schadt (r.), Trainer der Bundesliga-U19-Junioren des 1. FC Köln, unterzog FIFA 10 mit zwei seiner Spieler einem "Realitäts-Check"
Virtuelle Vorteile für aktive Fußballer
FIFA 10 ist das beliebteste virtuelle Fußballspiel. Aber ist es sogar mehr als ein Spiel? Können aktive Fußballer vom Computerspiel lernen und profitieren? Hat Schwedens Stürmer-Idol Henrik Larsson wirklich recht mit seiner Behauptung: "Die Jungen heute sind technisch viel besser als wir, weil sie an der PlayStation Tricks visualisieren und diese dann automatisch im echten Leben imitieren."
bundesliga.de hat Antworten gesucht und zwei U19-Bundesliga-Spieler des 1. FC Köln sowie ihren Trainer Manfred Schadt an die Spielkonsole gebeten.
"Hören ist vergessen, sehen ist verstehen"
In der Kölner Niederlassung von EA SPORTS traten Abwehrspezialist Andreas Akbari und Stürmer Alexander Nandzik mit ihren virtuellen Teams am Großbildschirm gegeneinander an, während Schadt die Zeit zur vergleichenden Analyse nutzte.
"Die Optik des Spiels ist sehr gut und aus meiner Sicht sehr wichtig. Man hat eine Draufsicht von oben auf einen großen Spielfeldausschnitt, wodurch man deutlich die taktischen Formationen sieht. Die Fußballer, die an der Konsole spielen, beschäftigen sich somit mit Taktik und können besprochene Dinge leichter verinnerlichen. Getreu dem Motto: "Hören ist vergessen, sehen ist verstehen", gibt Schadt erste Eindrücke aus Sicht eines Fußball-Lehrers wieder.
Wechselbeziehungen zwischen virtuellem und realem Fußballspiel
Die FIFA 10-erprobten Akbari und Nandzik bestätigen ihren Trainer. Beide wählen aus der Vielzahl der taktischen Möglichkeiten ihre Formation aus und berücksichtigen dabei die individuellen Stärken ihrer Spieler. "Während des Spiels achte ich zum Beispiel darauf, wie meine Viererkette steht: stimmen die Abstände zueinander oder stehen meine Innenverteidiger ein wenig versetzt", beschreibt Akbari.
Für Schadt ergeben sich klare Wechselbeziehungen zwischen virtuellem und realem Fußballspiel. Spielzüge oder Standardsituationen, die der Kölner Fußball-Lehrer mit seiner U19 auf dem Rasen einstudiert hat, würden die Spieler auch an der Konsole probieren. Andererseits schaue man sich Tricks der Computer-Stars an und probiere sie dann im Training, meint Nandzik.
"Als Modul für Standardsituationen einfach klasse"
Verblüffend, wie exakt die beiden U19-Spieler reale Standardsituationen virtuell umsetzen können. Eine Freistoßvariante mit verschiedenen klaren Laufwegen stellen sie im Modus "Arena" so genau nach, wie sie es auf dem Trainingsplatz etliche Male einstudiert und offensichtlich verinnerlicht haben. "Als Modul für Standardsituationen einfach klasse", urteilt Sportwissenschaftler Schadt.
"Momentan ist es aus meiner Sicht so, dass die Spieler eher Erlerntes aus der Realität in FIFA 10 einbringen als umgekehrt. Reale Erfahrung wird ins Computerspiel eingebracht, wenn bestimmte Spielsituationen gelöst werden müssen. Aber mit jedem technischen Fortschritt wird sich diese Wechselbeziehung immer weiter annähern", glaubt Schadt.
Schulung der Kreativität?
"Natürlich ist bei FIFA 10 letztlich die Fingerfertigkeit entscheidend, wer das Spiel gewinnt. Und die Spieler sitzen bequem im Sessel, haben keinen Gegenspieler im Nacken und sind unbeeinflusst durch eine Stadion-Atmosphäre. Aber grundsätzlich beschäftigen sie sich mit Fußball, gedankliche Prozesse finden statt, sie lernen am Modell. Vielleicht wird auch die Kreativität geschult? Es wäre sicher interessant, die Möglichkeiten der FIFA-Fußballspiele noch intensiver mit anderen Trainer zu diskutieren."
EA SPORTS-Mitarbeiter Heiko Ellinger hat nach langjähriger Erfahrung mit Computer-Fußballspielen jedenfalls festgestellt: "Gute Computer-Spieler, die selbst nie Fußball gespielt haben, erreichen irgendwann nicht mehr das Top-Niveau der Gamer, die selbst aktive Fußballer sind oder waren."
Stefan Kusche
FIFA 10 ist das beliebteste virtuelle Fußballspiel. Aber ist es sogar mehr als ein Spiel? Können aktive Fußballer vom Computerspiel lernen und profitieren? Hat Schwedens Stürmer-Idol Henrik Larsson wirklich recht mit seiner Behauptung: "Die Jungen heute sind technisch viel besser als wir, weil sie an der PlayStation Tricks visualisieren und diese dann automatisch im echten Leben imitieren."
bundesliga.de hat Antworten gesucht und zwei U19-Bundesliga-Spieler des 1. FC Köln sowie ihren Trainer Manfred Schadt an die Spielkonsole gebeten.
"Hören ist vergessen, sehen ist verstehen"
In der Kölner Niederlassung von EA SPORTS traten Abwehrspezialist Andreas Akbari und Stürmer Alexander Nandzik mit ihren virtuellen Teams am Großbildschirm gegeneinander an, während Schadt die Zeit zur vergleichenden Analyse nutzte.
"Die Optik des Spiels ist sehr gut und aus meiner Sicht sehr wichtig. Man hat eine Draufsicht von oben auf einen großen Spielfeldausschnitt, wodurch man deutlich die taktischen Formationen sieht. Die Fußballer, die an der Konsole spielen, beschäftigen sich somit mit Taktik und können besprochene Dinge leichter verinnerlichen. Getreu dem Motto: "Hören ist vergessen, sehen ist verstehen", gibt Schadt erste Eindrücke aus Sicht eines Fußball-Lehrers wieder.
Wechselbeziehungen zwischen virtuellem und realem Fußballspiel
Die FIFA 10-erprobten Akbari und Nandzik bestätigen ihren Trainer. Beide wählen aus der Vielzahl der taktischen Möglichkeiten ihre Formation aus und berücksichtigen dabei die individuellen Stärken ihrer Spieler. "Während des Spiels achte ich zum Beispiel darauf, wie meine Viererkette steht: stimmen die Abstände zueinander oder stehen meine Innenverteidiger ein wenig versetzt", beschreibt Akbari.
Für Schadt ergeben sich klare Wechselbeziehungen zwischen virtuellem und realem Fußballspiel. Spielzüge oder Standardsituationen, die der Kölner Fußball-Lehrer mit seiner U19 auf dem Rasen einstudiert hat, würden die Spieler auch an der Konsole probieren. Andererseits schaue man sich Tricks der Computer-Stars an und probiere sie dann im Training, meint Nandzik.
"Als Modul für Standardsituationen einfach klasse"
Verblüffend, wie exakt die beiden U19-Spieler reale Standardsituationen virtuell umsetzen können. Eine Freistoßvariante mit verschiedenen klaren Laufwegen stellen sie im Modus "Arena" so genau nach, wie sie es auf dem Trainingsplatz etliche Male einstudiert und offensichtlich verinnerlicht haben. "Als Modul für Standardsituationen einfach klasse", urteilt Sportwissenschaftler Schadt.
"Momentan ist es aus meiner Sicht so, dass die Spieler eher Erlerntes aus der Realität in FIFA 10 einbringen als umgekehrt. Reale Erfahrung wird ins Computerspiel eingebracht, wenn bestimmte Spielsituationen gelöst werden müssen. Aber mit jedem technischen Fortschritt wird sich diese Wechselbeziehung immer weiter annähern", glaubt Schadt.
Schulung der Kreativität?
"Natürlich ist bei FIFA 10 letztlich die Fingerfertigkeit entscheidend, wer das Spiel gewinnt. Und die Spieler sitzen bequem im Sessel, haben keinen Gegenspieler im Nacken und sind unbeeinflusst durch eine Stadion-Atmosphäre. Aber grundsätzlich beschäftigen sie sich mit Fußball, gedankliche Prozesse finden statt, sie lernen am Modell. Vielleicht wird auch die Kreativität geschult? Es wäre sicher interessant, die Möglichkeiten der FIFA-Fußballspiele noch intensiver mit anderen Trainer zu diskutieren."
EA SPORTS-Mitarbeiter Heiko Ellinger hat nach langjähriger Erfahrung mit Computer-Fußballspielen jedenfalls festgestellt: "Gute Computer-Spieler, die selbst nie Fußball gespielt haben, erreichen irgendwann nicht mehr das Top-Niveau der Gamer, die selbst aktive Fußballer sind oder waren."
Stefan Kusche









