DFL

01.04.2016 - 14:34 Uhr


Paralympische Woche: Schwarzer Gürtel für Ilkay Gündogan

Ilkay Gündogan (M.) stand den Beteiligten beim Abschlussevent in Dortmund Rede und Antwort

Köln - Wie gelebte Inklusion aussehen kann, hat die Paralympische Woche am "Lernort Stadion" – gefördert von der Bundesliga-Stiftung in Kooperation mit der Aktion Mensch – eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Gleich drei Lernorte gemeinsam hatten das Ferienprojekt initiiert und sich dem Thema Inklusion über Para-Taekwondo, Para-Badminton und Blindenfußball genähert. Die Abschlusspräsentation mit rund 100 Teilnehmern im BVB-Lernzentrum im Dortmunder Signal Iduna Park begeisterte auch Profi Ilkay Gündogan, Integrationspate der Bundesliga-Stiftung.

"Lernort Stadion" – initiiert von der Robert Bosch Stiftung und seit 2010 gefördert von der Bundesliga-Stiftung – bietet an bundesweit zwölf Standorten politische Bildung im Fußballstadion an. Gemeinsam mit der Aktion Mensch widmet man sich seit 2014 auch vermehrt dem Thema Inklusion. "Es ist wichtig, nicht nur über Inklusion zu sprechen, sondern den Gedanken auch zu leben", erläuterte Haşim Çelik, Welt- und Europameister im Para-Taekwondo und Mitinitiator der Projektwoche.

Blindenfußball ganz praktisch selbst erfahren

An allen drei beteiligten Standorten von "Lernort Stadion" in Bielefeld (Stadionschule), Bochum ("Soccer meets Learning") und Dortmund (BVB-Lernzentrum) stand während der Woche eine Stadionführung auf dem Plan. Einmal auf der Pressetribüne Platz nehmen, einmal selbst auf der Trainerbank sitzen – da war die Begeisterung groß. Die Bielefelder Gruppe, 8- bis 14-jährige Kinder eines Jugendzentrums, nutzte den Besuch der SchücoArena zum Praxistest und erkundete die Barrierefreiheit des Stadions.

Außerdem führten die Kids jeweils einen anderen Teilnehmer mit verbunden Augen quasi blind über die Tribüne. "So bekam jeder ein Gefühl dafür, wieviel Vertrauen Menschen mit einer Sehbehinderung aufbringen, wenn sie sich zum Bespiel beim Gehen auf eine andere Person verlassen", erklärte der örtliche Projektleiter Holger Wiewel. Aber es ging auch sportlich zu: Blindenfußball wurde erklärt und in einer Turnhalle ganz praktisch selbst erfahren – Torjubel inklusive.

"Für einige war ein Rollstuhl eine ganz neue Erfahrung"

In Bochum stand statt des Fußballs der Federball beim Para-Badminton im Mittelpunkt. Hier erhielten vor allem unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zwischen 12 und 18 Jahren nicht nur einen Einblick in diese Sportart, sondern konnten auch auf ganz praktische Weise Berührungsängste abbauen. "Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund begegnen dem Thema Behinderung und Inklusion oft zurückhaltend. Für einige war ein Rollstuhl eine ganz neue Erfahrung", berichtete Janina Laudien, die die Arbeit am Lernort Bochum koordiniert.

Aus Ablehnung wurde in den drei Tagen Verständnis, integrative Spiele mit gemischten Doppeln aus Rollstuhlfahrer und Fußgänger sorgten für neue Erfahrungen – Perspektivwechsel und praktische Erprobung als Beispiel für gelungene Inklusion. Dass die Teilnehmer ihr Projekt in Dortmund auch noch mehrsprachig in Arabisch, Kurdisch, Französisch und Dari präsentierten, quittierte nicht nur Ilkay Gündogan als Gast in der ersten Reihe mit anerkennendem Applaus.

Drei Tage Projekt öffnen neue Perspektiven

Gündogan erlebte auch aus nächster Nähe mit, was die Workshop-Teilnehmer in Dortmund dank Haşim Çelik, aber auch dank eines örtlichen Taekwondo-Vereins in drei Tagen sportlich gelernt haben. "Die ganze paralympische Woche wäre nichts ohne die Kooperationspartner aus dem Sport", stellte Johannes Böing, Leiter des BVB-Lernzentrums, heraus. Tritte und Schläge aus dem Taekwondo demonstrierten die Schüler eines Berufskollegs und junge Geflüchtete, die zuvor kaum Vorerfahrungen mit dieser Sportart hatten. Eindrucksvoll, wie ein blinder Sportler dies macht – er hört erst und trifft dann, sieht beim Para-Taekwondo quasi mit den Ohren.

Dass alle Teilnehmer der Abschlussveranstaltung den Vorführungen und Vorträgen der jeweils anderen Gruppen aufmerksam und interessiert folgten, spricht für sich. Die drei Tage haben bei allen Eindruck hinterlassen, neue Perspektiven geöffnet, die soziale Kompetenz gestärkt.

Gündogan: Schwarzer Gürtel im Taekwondo

Ilkay Gündogan rundete das Event ab, indem er allen Beteiligten nach der Präsentation Rede und Antwort stand und ein bisschen aus dem Nähkästchen plauderte. Und auch wenn ihn sein Schulfreund Haşim Çelik bislang nicht dazu bewegen konnte, selbst mal Taekwondo auszuprobieren, ließ es sich die Deutsche Taekwondo Union nicht nehmen, Gündogan zum Dank für seinen Besuch den schwarzen Gürtel (1. Dan) ehrenhalber zu verleihen.

Zum Abschluss gab der erfolgreiche Profi Kindern und Jugendlichen noch einen Rat mit auf den Weg: "Wichtig ist, dass jeder, der Sport macht, das liebt, was er tut, und mit Leidenschaft macht." Dann spielen Nationalität, Geschlecht oder Behinderung keine Rolle. Im Gegenteil: Sport verbindet, das hat die paralympische Woche am Lernort Stadioneindrucksvoll bewiesen. "Im Sport ist es oft ganz einfach, dass Menschen zusammenfinden", bestätigte Holger Wölk vom Behindertensportverband NRW.

Eine Tatsache, die auch Christina Marx von der Aktion Mensch angesichts der gelungenen Kooperation mit der Bundesliga-Stiftung und mit Blick auf den "Lernort Stadion" glücklich stimmt: "Hier wurde zusammen Spaß gehabt und zusammen Sport getrieben, ohne Unterschiede und Barrieren. So wird anders sein ganz normal."

Von Dietmar Nolte

Weitere Artikel

© 2016 DFL Deutsche Fußball Liga GmbH