DFL

03.03.2016 - 19:52 Uhr


"Blindenreportage im Fussball - neuer und verbesserter Service"

vlnr: Christina Marx (Bereichsleitung Aufklärung Aktion Mensch), Thomas Schneider, DFL Leiter Fanangelegenheiten; Klaus Theißen, Leiter Abteilung Kinder, Jugend, Frauen, Familie AWO Bundesverband e.V.)

vorne: Gerhard Stoll, Fußballfan B04 [blind]; links: Gebärdendolmetscherin der Aktion Mensch; hinten zu sehen vlnr: Thomas Schneider (DFL), Meinolf Sprink, Direktor Fans/Soziales (Geschäftsleitung))

links: Ömer Toprak, rechts: Meinolf Sprink

Die Veranstaltung fand bei Bayer 04 Leverkusen statt

Stoll (l.) mit Toprak (r.)

Gerhard Stoll und Blindenreporter

links: Thomas Schneider (DFL), rechts: Klaus Theißen (AWO)

vlnr: Thomas Schneider (DFL), Klaus Theißen (AWO), Christina Marx (Aktion Mensch), Björn Naß (Projektleiter ZSBR), Gerhard Stoll, Ömer Toprak (B04), Meinolf Sprink (B04)

Leverkusen - Schon seit Jahren setzt sich die Bundesliga dafür ein, dass Sehbehinderte und Blinde die Spiele in den Stadien der Bundesliga und der 2. Bundesliga verfolgen können. Als erster Club hat Bayer 04 Leverkusen die Blindenreportage im Jahr 1999 beim Spiel gegen den SSV Ulm 1846 eingeführt. Heute bieten fast alle Profivereine diesen Service an. Nun wurde die neue barrierefreie Homepage zum Thema sowie das in Europa einzigartige "Zentrum für Sehbehinderten- und Blindenreportage (ZSBR)" vorgestellt.

Das Interesse an der Veranstaltung war groß. Bayer 04 Leverkusen hatte vor dem Bundesliga-Spiel der Werkself gegen Werder Bremen eigens eine Loge in der BayArena zur Verfügung gestellt, um dem wichtigen Thema Blindenreportage einen angemessenen Rahmen zu geben. Ohnehin hat der Verein schon immer eine Vorreiterrolle bei der Betreuung sehbehinderter und blinder Fans übernommen und eine hohe Sensibilität für die Thematik bewiesen.

"Der Fußball hat verbindenden Charakter"

Meinolf Sprink, Direktor Fans/Soziales der Werkself, hatte die Moderation übernommen und mit Ömer Toprak auch einen prominenten Bayer 04-Profi mitgebracht. "Ich habe selbst einen Schicksalsschlag erlitten und eine zeitlang im Rollstuhl gesessen", erzählte der Leverkusener Vizekapitän. "Der Fußball hat einen verbindenden Charakter und vereint alle Gesellschaftsschichten und Nationalitäten in sich. Es ist wichtig, dass er bei sozialen Projekten hilft."

Ganz oben auf der Agenda ist dabei das Thema Barrierefreiheit. Auch Menschen mit Behinderungen sollen das Gemeinschaftserlebnis der Stadionatmosphäre eines Bundesliga-Spiels genießen können. "Fußball lebt von Emotionen, die man nirgendwo besser erleben kann als live im Stadion. Als Spieler bin ich froh, dass wir durch die Blindenreportage auch die Unterstützung von Sehbehinderten und Blinden erfahren dürfen. Es ist beeindruckend, was die Blindenreporter leisten", meint Ömer Toprak.

Dank der Blindenreportage sind die sehbehinderten und blinden Fans auch immer auf Ballhöhe. "Die Qualität der Reportagen hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert", freut sich der sehbehinderte Werkselffan Gerhard Stoll. Zu verdanken ist das in erster Linie den ehrenamtlichen Reporterinnen und Reportern in den Stadien. Diese beschreiben - anders als bei einer Radioübertragung - nicht nur die packenden Spielszenen, sondern den kompletten Spielverlauf, sodass blinde und sehbehinderte Fans die Begegnung besser verfolgen können. Bei Partien der Bundesliga kommen durchschnittlich rund 20 sehbehinderte Fußballanhänger in den Genuss der Reportagen, in Leverkusen sind es sogar 25. Bei einigen Vereinen gibt es Wartelisten. Der Bedarf ist also hoch.

"Die Bundesliga stellt sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung"

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) hat das von der DFL Deutsche Fußball Liga initiierte Zentrum gemeinsam mit der Aktion Mensch und der DFL weiterentwickelt, damit die Blindenreportage bundesweit auf dem gleichen qualitativ guten Niveau angeboten werden kann. Nach Auffassung der DFL war es an der Zeit, die örtlichen Strukturen noch stärker zu vernetzen und weiterzuentwickeln. So zum Beispiel beim jährlichen DFL-Reporterseminar.

Die vorhandene Erfahrung und das Wissen über eine gute Blindenreportage soll nun mit Hilfe des "ZSBR" und erfahrener Blindenreporter*innen für eine weitere Qualitätssteigerung nutzbar gemacht werden.

Auf der nun gerade freigeschalteten Homepage zum Thema Blindenreportage (www.blindenreportage.de) sind ab sofort auch einzelne Blindenreportagen von Spielen der Bundesliga und 2. Bundesliga zu hören. Ziel ist es, die Reportagen möglichst vieler Spiele im Nachgang online auf der Homepage des Projektes zur Verfügung zu stellen. Die ersten vier Hörproben von Spielen von Bayer 04 Leverkusen, Eintracht Frankfurt, Fortuna Düsseldorf und RB Leipzig können bereits angeklickt werden. Auch interaktive Wettbewerbe gibt es. So werden bei der Aktion "T-Ohr des Monats" monatlich Beispiele von besonders gelungenen Torschilderungen zur Abstimmung gestellt.

"Die Bundesliga stellt sich mit den Blindenreportagen einmal mehr ihrer gesellschaftlichen Verantwortung und setzt sich für die Teilhabe sehbehinderter und blinder Menschen am Erlebnis Fußball ein" sagt Thomas Schneider, Leiter Fanangelegenheiten der DFL. Denn die Begeisterung im und durch den Sport führt Menschen auf Augenhöhe zusammen und stärkt das Gemeinschaftsgefühl. "Sport ist daher ein idealer Treiber für Inklusion. Da wird Behinderung zur Nebensache", meint Armin von Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski

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