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Zehn Arbeiter und ein Ramos

Ramos (MItte) und Co. schlossen die Hinrunde mit hervorragenden 28 Punkten ab

Jos Luhukay führte die Hertha zurück in die Bundesliga und ist mit seinem Team auf Kurs Europapokal

Zum Hinrundenfinale setzte sich die Hertha beim BVB durch

Berlin - Was für eine Hinrunde: Aufsteiger Hertha BSC hat die erste Saisonhälfte auf Platz 6 beendet und darf mit Fug und Recht als das Überraschungsteam der bisherigen Spielzeit gelten.

Klar, die Alte Dame war im Sommer einer der souveränsten Aufsteiger in der Zweitliga-Geschichte. Trotzdem hätten wohl selbst die größten Optimisten unter den Hertha-Fans kaum für möglich gehalten, was ab August folgen sollte. Mit 28 Punkten verbringen die Blau-Weißen den Winter auf Rang 6, der am Ende bekanntlich die Teilnahme an der Europa League bedeuten würde. Mit nur 20 Gegentoren stellen sie zudem die fünftbeste Abwehr.

Preetz und Luhukay die Väter des Erfolgs

Die interne Vorgabe, in der Hinrunde 20 Zähler zu holen, wurde damit nicht nur weit übertroffen. Viel wichtiger noch: Das Team von Trainer Jos Luhukay hat sich ein mehr als beruhigendes Polster von 14 Punkten auf Relegationsrang 16 erarbeitet - mit dem Abstieg sollte Hertha nichts mehr zu tun bekommen.

Erarbeitet - das ist zugleich das Stichwort, das die Ursachen für die sensationelle Hinrunde am besten charakterisiert. Ohne die ganz großen Stars, aber immer mit einer geschlossenenen Mannschaftsleistung und einem Trainer, der sein Team auf fast jeden Gegner taktisch und personell perfekt einzustellen wusste. Sowie einem Manager Michael Preetz, der schon im Sommer durch seine Transfers die Grundlagen für den Erfolg legte.

Alle sechs Neuen schlugen ein

Nachdem Preetz in der Vorsaison schon die wichtigste Planstelle, die des Cheftrainers, mit Jos Luhukay optimal besetzte, holte er im Sommer ein Spielerquartett, das voll einschlug. Sebastian Langkamp und Johannes van den Bergh verliehen mit ihrer Erfahrung der Viererkette zusätzliche Stabilität, Hajime Hosogai verdrängte im zentralen Mittelfeld den bisherigen Kapitän Peter Niemeyer und Alexander Baumjohann zeigte als Zehner die bei Platzhirsch Ronny vermissten Eigenschaften Tempo und Dynamik.

Dass "Baumi" sich seinen Kreuzbandriss Ende August zuzog, und damit für den Rest der Hinrunde ausfiel, war gewissermaßen Glück im Unglück. So konnte Preetz noch einmal aktiv werden und zauberte kurz vor Transferschluss zwei weitere Asse aus dem Ärmel: Mit den Leihspielern Per Skjelbred und Tolga Cigerci kamen Spieler, die kaum jemand auf dem Zettel hatte, die sich aber ebenfalls als große Verstärkungen erwiesen.

Ramos gut wie nie

Unter dem Strich konnte sich Luhukay vor allem auf eine zentrale Achse aus seinem neuen Kapitän Fabian Lustenberger, der vom Mittelfeld dauerhaft in die Innenverteidigung rückte, Hosogai als Umschaltspieler davor sowie Adrian Ramos im Sturmzentrum verlassen. Der glänzend aufgelegte Kolumbianer hat mit elf Toren schon nach der Hälfte der Spielzeit einen neuen persönlichen Rekord in der Bundesliga aufgestellt und traf damit genauso oft wie in der gesamten Aufstiegssaison.

Aber auch andere Spieler wie Änis Ben-Hatira, Nico Schulz und Sami Allagui haben sich noch einmal verbessert. Zudem schafften neben Schulz noch weitere Youngster wie der 18-Jährige Hani Mukhtar und zuletzt in Dortmund der ebenfalls gerade erst volljährige Nachwuchskeeper Marius Gersbeck den Sprung ins Oberhaus. 

Der Trainer ist der Star

Hinter all dem steht mit Jos Luhukay der heimliche Star dieses Teams. Der Niederländer bewies von Woche zu Woche, dass er einerseits einen Plan fürs Kollektiv hat und diesen auch vermitteln kann. Und andererseits, dass er auch im Umgang mit einzelnen Spielern über großes Geschick verfügt. Das zeigte sich auch in der Konsequenz gegenüber einem Star wie Ronny, der lange die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllte und folgerichtig nur vier Mal von Beginn an ran durfte. Oder in der notwendigen Härte gegenüber Nachwuchsmann Brooks, den er am vorletzten Spieltag aus Leistungsgründen schon vor der Pause auswechselte.

Nachdem die Hertha nun mit dem positiven Gefühl von zuletzt drei Siegen und vier Partien ohne Niederlage in Serie in die Winterpause geht, lassen die Vorzeichen auf eine ebenso gute Rückrunde hoffen. Zumal sich bis dahin das Lazarett, das zuletzt von acht Herthanern bevölkert worden war, erheblich gelichtet haben dürfte.

Andre Anchuelo

TOPS

  • Recht wenig zugelassen: Nur gegen den FC Bayern und Dortmund kamen die Gegner seltener zum Torschuss als gegen Hertha (185 Mal).

  • Die Außen werden dicht gemacht: Hertha ließ die Gegner am seltensten eine Flanke schlagen (130 Mal).

  • Toller Ramos: Adrian Ramos stellte mit elf Treffern bereits einen neuen persönlichen Saisonrekord in der Bundesliga auf.

  • Hinten sicher in Hälfte zwei: Einzig Bayern kassierte weniger Gegentore nach der Pause (drei) als Hertha (sieben).

  • Leistungs-Explosion: Per Skjelbred war für Ex-Verein HSV in 26 Bundesliga-Spielen nie an einem Tor beteiligt, bei Hertha sammelte der Norweger in nur 13 Bundesliga-Spielen fünf Scorer-Punkte (ein Tor, vier Torvorlagen).

FLOPS

  • Keine Jungs für Jogi: Nur vier Prozent der Tore von Hertha erzielten Deutsche Spieler, das ist der niedrigste Anteil der Liga.

  • Ein Torjäger trifft nicht mehr: Sandro Wagner ist mittlerweile seit 31 Bundesliga-Spielen ohne Tor.

  • Ein Kultspieler verschwindet durch die Hintertür: Maik Franz bestritt kein einziges Spiel, durfte selbst auf der Bank nur ein Mal Platz nehmen.

  • Feuerwerk nur zu Beginn: Im ersten Heimspiel schoss Hertha sechs Tore (6:1 gegen Frankfurt), in den folgenden acht Partien im Olympia-Stadion kamen nur acht weitere Treffer hinzu.

  • Freistöße nicht mehr so gefährlich: In der letzten Saison in der 2. Bundesliga traf Hertha 14 Mal nach Freistößen – in der Hinrunde der laufenden Spielzeit nur zwei Mal.

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