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Ernüchterung mit Lichtblicken

Bert van Marwijk ersetzte im Laufe der Hinrunde Thorsten Fink als HSV-Cheftrainer

Hakan Calhanoglu (Mitte) war eine der positiven Überraschungen des HSV in der Hinrunde

Zum Ende der Hinrunde kassierte der HSV eine 2:3-Heimpleite gegen den FSV Mainz

Hamburg - Durch den siebten Platz der Vorsaison war beim Hamburger SV das erklärte Ziel für die neue Spielzeit schnell definiert: die Teilnahme am europäischen Geschäft. Nach der Hinrunde ist die Ernüchterung groß. Die "Rothosen“ liegen in der Tabelle mit 16 Punkten lediglich auf Rang 14, mit nur zwei Zählern Vorsprung auf den Relegationsplatz.

Nach dem 2:3 gegen den FSV Mainz 05 im letzten Pflichtspiel 2013 fand Trainer Bert van Marwijk deutliche Worte: "Wir müssen nach unten gucken. Der Abstiegskampf ist jetzt Realität, das müssen sich die Spieler bewusst machen.“ Es ist dabei auch nicht so, dass die Hamburger mit Pech oder durch besondere Umstände, wie zum Beispiel eine lange Verletztenliste, in diese Situation gerutscht sind. Vielmehr spiegeln die nackten Zahlen genau die derzeitige Stärke des Bundesliga-Dinos wieder, der als einziges Gründungsmitglied noch nie abgestiegen ist.

Schon 38 Gegentreffer

Die Gründe für die Misere sind schnell ausgemacht. Die unsichere Abwehr und teilweise haarsträubende individuelle Fehler führten zu den Niederlagen. „Das hat dann auch mit Qualität zu tun und da reicht es für einige Spieler vielleicht nicht“, haderte Sportchef Oliver Kreuzer. Vor allem vor heimischem Publikum kickte der HSV seine Fans zu oft in ein Tal der Tränen. In acht Spielen gelangen gerade einmal zwei Siege und ein Remis. Der "Lohn“ war ein gellendes Pfeifkonzert nach der Partie gegen Mainz. Von einem versöhnlichen Abschied in die Winterpause konnte man da nicht sprechen.

Kassierten die Hamburger in der vergangenen Hinrunde gerade einmal 21 Gegentreffer, sind es jetzt schon 38. Mehr Tore bekamen die Hanseaten nach der ersten Saisonhälfte nur 1987/88 eingeschenkt (39).  "Insgesamt haben wir eine schwache Hinrunde gespielt und viel aufzuarbeiten für die Rückrunde. Wir brauchen Spiele, in denen wir mehr als nur phasenweise guten Fußball spielen“, übte Nationalspieler Marcell Jansen Selbstkritik.

Lasogga und Calhanoglu ragen heraus

Aber es gab auch Lichtblicke an der Alster. So schlug Neuzugang Pierre-Michel Lasogga wie eine Bombe ein. Die Leihgabe von Hertha BSC schoss in 13 Partien neun Tore. Auch Youngster Hakan Calhanoglu wird den Vorschusslorbeeren immer mehr Gerecht. Der Freistoßspezialist erzielte allein drei seiner fünf Treffer in den vergangenen fünf Spielen. Richtig freuen kann sich Calhanoglu darüber nicht. "Die Pause und die Feiertage werde ich nicht genießen können. Wir müssen uns für die Rückrunde bessern und damit müssen wir morgen beginnen“, sagte der türkische Auswahlspieler.

Van Marwijk darf nun beweisen, dass er die richtige Wahl für den Chefposten beim HSV ist. Die Grundlagen immer Sommer legte sein Vorgänger Thorsten Fink, im Wintertrainingslager in Indonesien und Dubai darf der Niederländer werkeln. "Ich hoffe jetzt, dass ich in der Vorbereitung einmal mit dem ganzen Kader arbeiten kann“, so van Marwijk. Er schaffte es aber seit seiner Amtsübernahme im September nicht, Konstanz in die Leistung seiner Mannschaft zu bringen. Überzeugende Auftritte wie zum Beispiel das 5:0 in Nürnberg waren eine seltene Ausnahme.

"Ich glaube an die Mannschaft"

In der Abwehr zu löchrig, im Mittelfeld teils viel zu statisch und im Angriff mit Ausnahme von Lasogga ohne Durchsetzungsvermögen: Auf van Marwijk warten in den wenigen Wochen bis zum Rückrundenauftakt gegen den FC Schalke 04 einige Großbaustellen. Eine schwierig zu bewältigende Aufgabe - und das ohne Hilfe von Neuzugängen. "Uns bleibt nichts anderes übrig, als mit dem vorhandenen Kader weiterzuarbeiten. Aber ich glaube an die Mannschaft - und daran, dass wir es hinbekommen. Sie muss begreifen, dass Gier und Leidenschaft nötig sind, in jedem Spiel“, erklärte Kreuzer.

Die Profis haben die Zeichen der Zeit scheinbar verstanden. Zumindest Nationalspieler Jansen. "Wir sind jetzt wieder im Abstiegskampf angekommen, das muss uns bewusst sein. Die Tabelle sagt alles und jetzt müssen wir hart dafür arbeiten, dass wir uns vom ersten Spiel der Rückrunde etwas aufbauen können.“

Michael Reis

TOPS

  • Viele Tore per Freistoß: Kein Team traf öfter nach Freistößen als Hamburg (fünf Mal).
  • Die Offensivbilanz stimmt: Der HSV erzielte 33 Tore - nur vier Teams mehr.
  • Die Scharfschützen der Liga: Hamburg erzielte die meisten Weitschusstore (acht).
  • Bei Standards brennt nicht viel an: Nur Bayern und Leverkusen kassierten weniger Gegentore nach ruhenden Bällen als Hamburg (vier).
  • Beister ist explodiert: Maximilian Beister sammelte mehr Scorer-Punkte (zehn) als Arjen Robben (neun).

 

FLOPS

  • Schwächste Defensive der Liga: Kein Team kassierte mehr Gegentore als Hamburg (38, wie Hoffenheim).
  • Ein Paradies für die Stürmer der Gegner: Hamburg kassierte ligaweit die meisten Gegentore durch Stürmer (20) - kein Ruhmesblatt für die Innenverteidigung.
  • Es fehlt an Tempo: Nur Bremen und Gladbach sprinteten seltener als Hamburg (durchschnittlich nur 193 Sprints pro Spiel).
  • Extrem heimschwach: In acht Heimspielen kassierte der HSV fünf Niederlagen - so viele Heimschlappen hatten die Hamburger in einer Hinrunde noch nie hinnehmen müssen.
  • Siege nur gegen Kellerkinder: Der HSV gewann in der Hinrunde vier Spiele - gegen Braunschweig, Freiburg und Nürnberg sowie zu Hause gegen die extrem auswärtsschwachen Hannoveraner.
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