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Bayerns Feinschliff unter Vielarbeiter Guardiola

Die Hinrunde lief glänzend für den FC Bayern, doch Trainer Pep Guardiola (l.) ist noch lange nicht zufrieden (© Imago)

"Im nächsten Jahr haben wir noch viel Arbeit zu machen", prophezeit der Spanier

Zum 19. Mal in ihrer Vereinsgeschichte wurden die Münchner Herbstmeister. Philipp Lahm (M.) und Co. kassierten in 16 Spielen keine einzige Niederlage

München - Seit 41 Bundesligaspielen ungeschlagen, 14 Siege und zwei Remis in der Hinrunde, Guardiola in seinen ersten 16 Ligapartien als Bayern-Trainer ohne Niederlage. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Rekorde purzelten. Nein, sie überschlugen sich. Keine Bestmarke konnte sich sicher fühlen vor den Über-Bayern. Irgendwann machte sich gar das Gefühl breit, vor den Spielen des Rekordmeisters fokussierten sich die Debatten mehr darauf denn auf den Gegner.

Das brachte Präsident Uli Hoeneß verständlicherweise auf die Palme. "Wir sollten uns wieder auf die 90 Minuten konzentrieren und nicht auf diesen oder jenen Rekord, der noch zu holen ist - das ist nicht der Sinn des Fußballs", sagte der 61-Jährige gegenüber "Sky Sport News HD". "Der Sinn des Fußballs ist, 90 Minuten gute Unterhaltung zu bieten, das Spiel zu gewinnen und dass die Zuschauer zufrieden nach Hause gehen. Alles andere ist völlig egal."

Kontrolle über das Mittelfeld    

Hoeneß dürfte damit auch Guardiola aus der Seele sprechen. Zahlenschiebereien sind nicht die Sache des Spaniers. Stattdessen liegt ihm seine Spielphilosophie am Herzen, die er mit aller Akribie und Inbrunst auf seine Spieler projizieren möchte. "Er hat eine unglaublich klare Vorstellung von Fußball", weiß Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge: "Wenn die Spieler das manchmal nicht umsetzen, dann ist der stocksauer."

Dabei wirkte Guardiola bei seiner Vorstellung Ende Juni eher demütig, als würde er die Kurzpassmaschinerie und das Ballbesitzspiel a la Barcelona zunächst hinten anstellen und das System Heynckes verfeinern. Nichts da. Der stolze Katalane krempelte das 4-2-3-1 in ein 4-1-4-1 um, opferte den zweiten defensiven Mittelfeldspieler zugunsten eines weiteren Offensiven, machte Philipp Lahm zum Sechser und polte die Mannschaft noch mehr auf Attacke. Guardiola verfeinerte Pressing, Gegenpressing und hohes Verteidigen. Das Bayern-Spiel unter Guardiola richtet sich mitnichten nach den Stärken des Gegners, sondern umgekehrt. Fußball in Peps Augen heißt Dominanz. Den Gegner beherrschen, indem man die Kontrolle über das Mittelfeld hat.

"Im Fußball kannst du gewinnen oder verlieren, aber du kannst niemals gut spielen ohne Überzahl im Mittelfeld zu haben", so der 42-Jährige. "Die Mittelfeldspieler bestimmen das Spiel, sie machen alles. Ich bin ein Fan von Mittelfeldspielern." Die Verpflichtung Thiago Alcantaras passte nur allzu gut ins Bild. Der 22-Jährige findet sich bestens zurecht in der Künstlerszene um Götze, Kroos, Ribery und Lahm, die im Bayern-Mittelfeld das Sagen hat. Und Thiago ist - wenig überraschend - Mittelfeldspieler.

Guardiola: "Wir haben noch viel Arbeit"

Guardiola hat das Spiel der Triple-Bayern noch einmal mit frischen Ideen befeuert und vorangetrieben. Und er tut es immer noch. Mit jeder Woche, jedem Spiel, jedem Training seit seinem Beginn ist seine Handschrift deutlicher erkennbar. "Ich habe das Gefühl, er ist auf der Suche nach dem ultimativen Fußball", sagt Rummenigge. Eine Suche, die noch lange nicht zu Ende ist. Denn Guardiola duldet keine Schludrigkeiten wie beim 2:3 gegen Manchester City oder in der Schlussphase gegen den HSV. "Im nächsten Jahr haben wir noch viel Arbeit zu machen", prophezeit der vom Fußball "Besessene", wie Rummenigge es formulierte.

Viel Arbeit zu machen! Wie bitte? Die Münchner sind - trotz eines Spiels weniger - zum 19. Mal Herbstmeister mit sieben Punkten Vorsprung auf Leverkusen, nur die Werkself selbst und Freiburg konnten dem Rekordmeister überhaupt ein Unentschieden abtrotzen. Nur die Niederlagen im deutschen Supercup gegen den BVB und in der Champions League gegen ManCity sorgen dafür, dass Philipp Lahm und Co. das Verlierergefühl überhaupt noch kennen. Und der Perfektionist Guardiola redet von Arbeit.

Der BVB schwächelt 

Natürlich ist der Weg zur 24. Deutschen Meisterschaft noch weit und beschwerlich. 18 Mal müssen die Bayern auf dem Platz noch ihren Mann stehen. Doch es sieht gut aus. Leverkusen hat zwar eine imponierende Halbserie hinter sich. Aber der Unterschied zwischen Guardiolas Truppe und der Werkself ist größer als es der Punkteabstand vermuten lässt. Bayern hätte im direkten Duell in der BayArena (1:1) gewinnen müssen, nur mit Glück schafften die Rheinländer ein Remis. Auch in der Champions League blieb die Hyypiä-Truppe den Beweis schuldig, eine internationale Spitzenmannschaft zu sein, die auf Dauer mit den Münchnern konkurrieren kann.

Apropos konkurrieren. Der BVB, Bayerns ärgster Rivale der letzten Jahre, schwächelt. Nach elf Spieltagen sah es noch so aus, als würde der jetzige Tabellenvierte den Münchnern auf Schritt und Tritt folgen. Doch danach forderten die vielen Verletzungen ihren Tribut. Aus den letzten sechs Spielen holte der Vizemeister nur vier Punkte, die Niederlagen in den Spitzenspielen gegen Bayern und Bayer inbegriffen. Sind sämtliche Stammspieler an Bord, kann Jürgen Klopp eine Mannschaft basteln, die auch die Bayern in Not bringt. Die schwarz-gelbe B-Elf kann das nicht.

Erschütternderweise liefen auch die Bayern so gut wie nie in Bestbesetzung auf. Zwar wurde der Triple-Sieger nicht im gleichen Ausmaß vom Verletzungspech heimgesucht wie Dortmund. Trotzdem füllten beziehungsweise füllen in Thiago, Mario Götze, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Arjen Robben, Xherdan Shaqiri und Holger Badstuber durchaus prominente Namen teilweise wochenlang das bayerische Lazarett. Sollten erst einmal sämtliche Profis an Bord sein, wird Trainer Guardiola eine beängstigende Auswahl haben. Diese Konstellation birgt selbstredend auch Risiken, da sich der ein oder andere Star möglicherweise dauerhaft auf der Bank wiederfinden wird. Guardiola wird eine Lösung finden. Wie bisher immer in der Hinrunde der viel gelobten Bayern und der wenig wichtigen Rekorde.

David Schmidt

Tops

  • Torfabrik der Liga: Der FC Bayern erzielte die meisten Tore (42).
  • Die erfolgreichsten Mittelfeldspieler der Liga: Sie erzielten die meisten Tore ligaweit (26).
  • Auffällig dominante Spielweise: Der FC Bayern hatte den größten Ballbesitz ligaweit (66 Prozent).
  • Air Bayern: Der FC Bayern erzielte die meisten Kopfballtore (neun).
  • Ein wahres Bollwerk: Bayern kassierte die wenigsten Gegentore (acht)

Flops

  • Die linke Seite hat Nachholbedarf: Nur fünf Mal traf Bayern nach einem Angriff über die linke äußere Seite – über rechts gelangen 18 Tore
  •  Ganz viele ungenutzte Top-Möglichkeiten: Kein anderes Team vergab so viele Großchancen wie Bayern (23).
  • Mit angezogener Handbremse I: Bayern lief pro Spiel nur 116,9 Kilometer - zwölf Teams waren lauffreudiger.
  • Mit angezogener Handbremse II: Bayern führte die wenigsten Zweikämpfe (2.716; dies war auch nach dem 16. Spieltag so).
  • Es müllerte zu selten: Thomas Müller vergab aus dem laufenden Spiel sieben seiner acht Großchancen.
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