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Traum zerplatzt, Respekt verdient

Erhobenen Hauptes abgestiegen: Für Eintracht Braunschweig ist das Abenteuer Bundesliga nach nur einem Jahr wieder vorbei

Trainer Torsten Lieberknecht (r.) hat seinen Vertrag bei den Niedersachsen erst kürzlich bis 2017 verlängert

Die Offensive war der Schwachpunkt der Löwen. Top-Torjäger Domi Kumbela war an vorderster Front zu häufig auf sich alleine gestellt

Braunschweig - So etwas hat die Bundesliga wohl noch nie gesehen. Da ist das kurze Intermezzo von Eintracht Braunschweig nach nur einer Saison schon wieder beendet, aber trotzdem feierten die Fans die Mannschaft, als hätte sie die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Die Anhänger der Löwen zollten ihrem Team trotz der 1:3-Niederlage bei 1899 Hoffenheim mit minutenlangem Beifall und Gesängen Respekt für das Geleistete und waren nicht unzufrieden mit dem Verlauf der Saison.

Im Endeffekt war es aber zu wenig, um den Traum vom Klassenerhalt zu verwirklichen. "Es gab Spiele in der Rückrunde, die Knackpunkte waren", sagte Trainer Torsten Lieberknecht. Es fehlte beim Aufsteiger einfach an der nötigen Konstanz. Mit nur einem Sieg aus den letzten fünf Saisonspielen hätte man den Sprung auf den Relegationsplatz fast noch geschafft. Doch nach dem Derbysieg am 29. Spieltag gegen Hannover 96 ging dem BTSV die Puste aus.

Schwacher Saisonstart

Die Braunschweiger starteten mit großer Euphorie ins Abenteuer Bundesliga. Am ersten Spieltag verloren sie trotz ansprechender Leistung zuhause gegen Werder Bremen. Es folgten sechs weitere sieglose Partien. Negativer Höhepunkt in der Hinrunde war das 0:4 auf eigenem Platz gegen den VfB Stuttgart. Nach der Partie resignierte Lieberknecht kurzzeitig und sogar ein Rücktritt schien nicht ausgeschlossen.

Den ersten Saisonsieg feierten die Braunschweiger dann ausgerechnet eine Woche später beim 2:0 gegen den Nachbarn VfL Wolfsburg. Es sollte der einzige Auswärtssieg der gesamten Saison bleiben. Am letzten Hinrunden-Spieltag machte der Heimsieg über Hoffenheim noch einmal Mut. Nach 17 Partien stand der Neuling jedoch am Tabellenende mit nur mageren elf Punkten, hatte aber auch nur vier Zähler Rückstand auf Rang 15.

Neuzugänge schlagen nicht voll ein

In der Winterpause verpflichtete Sportchef Marc Arnold mit Salim Khelifi und Harvard Nielsen noch einmal zwei Verstärkungen für die Offensive. Der Norweger Nielsen (ausgeliehen von RB Salzburg) war in der Rückrunde Stammspieler. Aber er konnte nur zwei Treffer beisteuern. Unglücklicher verlief das Fußballjahr 2014 für den Schweizer Khelifi. Er verletzte sich gleich zu Beginn der Rückrunde bei einem Einsatz bei den Amateuren und brachte es nur auf einen Saisoneinsatz am vorletzten Spieltag gegen den FC Augsburg. Der flinke Mittelfeldspieler ist aber in der neuen Saison in der Offensive eine echte Alternative für Lieberknecht. 

Etwas mehr hatten sich die Verantwortlichen sicherlich von der Rückkehr Karim Bellarabis versprochen. Der von Bayer Leverkusen ausgeliehene Deutsch-Marokkaner rief zu selten sein großes Potenzial ab. Nicht mehr als Mitläufer waren die Neuzugänge Torsten Oehrl und Timo Perthel. Große Hoffnungen setzte die Eintracht auf Marco Caligiuri, doch der vom 1. FSV Mainz 05 gekommene Mittelfeldspieler plagte sich mit vielen Verletzungen herum und brachte es nur auf zwölf Saisoneinsätze. Licht und Schatten wechselten sich bei Jan Hochscheidt (von Erzgebirge Aue gekommen) ab.

Zu wenig Kreativität in der Offensive

Ausschlaggebend für den Abstieg war mit Sicherheit die fehlende Durchschlagskraft in der Offensive. 29 Tore in 34 Spielen, "das war einfach zu wenig", weiß auch Mirko Boland. Die Eintracht ließ vor allem im Mittelfeld eine gewisse Kreativität vermissen. Gute Torchancen wurden zu selten herausgespielt und wenn die Braunschweiger mal aussichtsreich vor dem Tor standen, ließ die Chancenverwertung zu wünschen übrig. Das Team agierte als Aufsteiger erwartungsgemäß oft zurückhaltend und sehr defensiv. Richtige "Klatschen" gab es dank der recht stabilen Defensive nur selten (jeweils 0:4 gegen den VfB Stuttgart und beim Hamburger SV).

"Prunkstück" der Eintracht war trotz 60 Gegentoren die Abwehr. Der bosnische Nationalspieler Ermin Bicakcic war ein verlässlicher Part in der Innenverteidigung. Zusammen mit Marcel Correia ergänzte er sich in der Rückrunde prima. Hoffnung in der Offensive machte zumeist nur Domi Kumbela, der es als Top-Torjäger der Eintracht immerhin auf neun Tore brachte.

Gut gerüstet für die Zukunft

Trotz einer starken Rückrunde und Siegen über den HSV, Mainz und Hannover konnte der Abstieg am Ende nicht mehr verhindert werden. "Trotz aussichtsloser Situationen sind wir immer drangeblieben. Ich hätte es der Mannschaft gewünscht, dass sie sich belohnt", erklärte Lieberknecht, der als Motivator bis zum letzten Spieltag immer noch aus voller Überzeugung an den Klassenerhalt geglaubt hatte.

Für die neue Saison sind die Braunschweiger gut aufgestellt. 18 Spieler haben Verträge auch für die 2. Bundesliga. Nur die Stammkräfte Daniel Davari und wahrscheinlich die Leihgabe Bellarabi werden den Verein verlassen. "Die Fans feierten uns, als hätten wir was Unglaubliches geleistet." Arnold erklärte das tolle Bekenntnis der Fans damit, dass hier "niemand vergessen habe, woher wir kommen".

Alexander Barklage

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